Ein Zuhause auf Zeit

von Katharina Brand-Parteck

Christian Dahm besucht Jugendwohngemeinschaft Vlotho

Von Heike Pabst
Vlotho(VZ). Putzdienste. Gemeinsame Mahlzeiten. Abends wird das Handy abgegeben. In der Jugendwohngemeinschaft (JWG) »Alte Schmiede« gibt es feste Regeln. Einen Einblick in den Alltag der von Jürgen Kusche geleiteten Einrichtung hat sich die Vlothoer SPD verschafft.

Wer nicht mehr in seinem Elternhaus leben kann, sitzt vielleicht irgendwann mit Jürgen Kusche zusammen und trinkt einen Tee. Der Einrichtungsleiter der Vlothoer Jugendwohngemeinschaft erklärt potentiellen Mitbewohnern bei einem Vorgespräch die Rahmenbedingungen, die eingehalten werden müssen, damit Jugendliche in der Alten Schmiede ein Zuhause auf Zeit finden können. Vergangenen Montag hat Jürgen Kusche sie nun auch der Vlothoer SPD, allen voran dem Landtagsabgeordneten Christian Dahm, erläutert. Dahm besucht unterschiedlichste Jugendhilfeeinrichtungen im Kreisgebiet, »und da wollte ich auch einmal zu Hause in Vlotho schauen, wie die Arbeit hier in der Einrichtung funktioniert«.

Die JWG wurde 1996 eröffnet und arbeitet eng mit den Jugendämtern Löhne, Stadt und Kreis Herford sowie Bad Oeynhausen zusammen. Sie kann fünf, maximal sechs Jugendliche unterbringen, erfahren Dahm und die anderen Besucher aus den Reihen der SPD. Die Bewohner sind meistens zwischen 14 und 18 Jahren alt und bleiben zwischen einem und drei Jahren in der Einrichtung. »In der Regel sind die Eltern sorgeberechtigt. Manchmal gibt es auch Familienrückführungen«, sagt Jürgen Kusche.

Betreut von einem vierköpfigen Team aus Sozialpädagogen und Erziehern, machen die Jugendlichen ihre Schule zu Ende, beginnen eine Ausbildung oder bemühen sich anderweitig um einen geregelten Alltag. Sie werden unter anderem ans selbstständige Kochen, Einkaufen und Putzen herangeführt. Kusche berichtet den Besuchern von Schicksalswegen und Erfolgen der Jugendlichen. »Die meisten kommen später gut zurecht«, ist der Einrichtungsleiter stolz. »Wenn sie herkommen, sind sie oft Opfer ihrer Verhältnisse. Manche haben Vorerfahrungen mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Unsere Aufgabe ist es, zu verhindern, dass sie Täter werden.«
Kusche zeigt der SPD die Einrichtung: Hausaufgabenraum, Waschräume, Wohnräume. Dazu gehört auch eine Wohnung »zur Verselbstständigung« im Nebengebäude »Das gelbe Haus«, in das ein bis zwei Personen einziehen dürfen. Dort üben sie das Leben in den »eigenen« vier Wänden, bevor sie nach etwa einem halben Jahr ganz ausziehen.

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