Europäischer Marktführer vom Bonneberg

von Katharina Brand-Parteck

Unternehmensbesuch bei 3Tec – zusätzliche Fachkräfte und schnelles Datennetz werden dringend benötigt

Foto: Jürgen Gebhard, Westfalen-Blatt

Vlotho-Bonneberg (VZ). Vorne in der Küchenmöbelfabrik liegen stapelweise Spanplatten, in der Fabrik arbeiten vernetzte Hightech-Maschinen und am Ende verlassen ganz individuell gefertigte Küchen die Produktion: Die Firma 3Tec entwickelt und liefert die Software, die die Fertigung in dieser modernen Fabrik steuert und überwacht. Mit ihrer »Fertigungsleittechnik« ist dieses auf dem Bonneberg angesiedelte Unternehmen Marktführer in der europäischen Möbelfertigung mit dem Schwerpunkt Küchen- und Büromöbelindustrie. »Wir sind Experten für Losgröße 1-Produktion«, informieren Arno Sturm und Bernd Beckmann (zwei der drei geschäftsführenden Gesellschaftern) ihre beiden Besucher, den Vlothoer Bürgermeister Rocco Wilken und den SPD-Landtagsabgeordneten Christian Dahm. Im Zuge ihrer Betriebsbesichtigungen haben die Politiker das stark expandierende Unternehmen besucht. »Losgröße 1-Produktion« bedeutet, so lernen es die Gäste, die Fertigung der Möbelteile ganz nach Kundenwunsch: »Andere Breiten, Höhen, Farben, Griffe – alles ist machbar.«

»Industrie 4.0« ist das Thema, das die Holzbearbeitungsbranche verändert. 3Tec spielt dabei ganz vorne mit. »Die herkömmliche Produktion wird auch in anderen Bereichen von der automatisierten Produktion in den Fabriken abgelöst werden«, sagt Bernd Beckmann und erwähnt unter anderem die Bekleidungsindustrie, bei der die individuelle Fertigung in Kürze Einzug halten werde.

Unternehmen, die wie 3Tec auf die »Industrie 4.0« setzen, sind auf qualifizierte Mitarbeiter und auf sehr schnelle Datennetze angewiesen. »Unsere Leute sind unser Kapital«, sagt Diplom-Betriebswirt Arno Sturm. Gemeinsam mit den beiden Diplom-Ingenieuren Bernd Beckmann und Markus Jass hat er 1997 die Firma 3Tec in Vlotho gegründet. 20 Jahre später werden an der Wilhelmstraße auf einer Bürofläche von 1600 Quadratmetern mehr als 60 Mitarbeiter im Alter zwischen 20 und 63 Jahren beschäftigt – hauptsächlich Ingenieure, Informatiker und Mathematiker.

1000 Quadratmeter Bürofläche kommen demnächst hinzu. Was fehlt, sind neue Mitarbeiter. »Wir könnten 20 Leute einstellen, aber wir kriegen keine«, bedauern die Chefs. Sie überlegen jetzt, zwei Duale Studienplätze in ihrem Unternehmen anzubieten.

Das andere Problem ist das Datennetz. Die vorhandenen Leitungskapazitäten sind auf Dauer kaum ausreichend. Für den kilometerlangen Glasfaser-Anschluss an das Netz müsste 3Tec rund 200 000 Euro aufbringen. Hier sei die Politik gefragt, geben die Inhaber ihren Gästen mit auf den Weg: »Für die deutsche Industrie ist ein schnelles Datennetz genauso wichtig wie elektrischer Strom.«

 

Quelle: Westfalen-Blatt Vlotho, 15.03.2017

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