Pressespiegel:

  • Herford, 28. Januar 2012

Friedrich - ein Mann für viele Grußworte

Gymnasium eröffnet Veranstaltungsfolge zum 300. Geburtstag - Bildungsministerin Sylvia Löhrmann zu Gast

Teilnehmer des Festaktes: (von links), Henning Kreibohm, Christian Dahm (MdL), Gudrun Horst de Cuestas, Ministerin Sylvia Löhrmann, Bürgermeister Bruno Wollbrink und Landrat Christian Manz. Foto: Herforder Kreisblatt
Von Hartmut Horstmann
Herford (HK). Mit einem Festakt ist das Friedrichs-Gymnasium am Freitag in ein besonderes Jahr gestartet. Denn der Namensgeber der Schule, Friedrich II., wurde vor 300 Jahren geboren.

Zahlreiche Vorträge haben Ehemaligenverein und Gymnasium vorgesehen. Den Auftakt machte Professor Marian Füssel (siehe Artikel links oben). Prominentester Gast der Veranstaltung in der Aula war Sylvia Löhrmann, NRW-Bildungsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin.
Viele ehemalige Schüler hatten sich in der Aula versammelt. Schulleiterin Gudrun Horst de Cuestas brachte die Besonderheit der Bildungseinrichtung auf die Formel: »Das Friedrichs-Gymnasium schafft es, Tradition und Moderne zu verbinden und diese auch noch zu leben.«

Applaus erntete Bürgermeister Bruno Wollbrink, als er die Schwierigkeit ansprach, für den ehemaligen Schulstandort, das heutige Kaufhof-Areal, einen Investor zu finden: »Das ist die Bestrafung für eine stadtbildprägende Fehlentscheidung, als man das Schulgebäude abgerissen hat.«

Poul Erik Madsen, Schulleiter des dänischen Gymnasiums Fredericia, betonte, es werde immer wichtiger, international und grenzüberschreitend zu denken. Dies habe auch bereits für Friedrich II. gegolten, der auf der europäischen Bühne zu Hause war.

Auf die hochkarätigen Vorträge, die im Laufe des Jahres folgen, wies Henning Kreibohm hin. Der Vorsitzende der Vereinigung ehemaliger Friederizianer kündigte an, man wolle sich im Zusammenhang mit Friedrich auch schwierigen Fragen stellen. Zum Beispiel: Wie konnte jemand, der den Anti-Machivell schrieb, kurz nach der Veröffentlichung einen Krieg gegen ein Nachbarland anfangen?

Kritische Worte steuerte Ministerin Sylvia Löhrmann bei. Sie erinnerte daran, dass der 27. Januar auch der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus ist. Friedrich stehe hier in einer unrühmlichen Tradition, die man an einem solchen Tag nicht verschweigen dürfe: »Bei der diskriminierenden Behandlung der Juden knüpfte er an seine Vorgänger an.« Dabei erwähnte Löhrmann auch, dass sich die Nationalsozialisten auf Friedrich den Großen berufen hätten.
Klare Worte, anschließend sprach die Ministerin über »Gymnasium im Wandel«. Sie erinnerte an den Schulkrieg des 19. Jahrhunderts mit den harten Fronten. Die einen waren gegen jegliche Veränderung, die anderen hätten gefordert: »Eine Entwicklung wie die Industrialisierung muss sich auch im Lehrplan wiederfinden.«

Parallelen in die heutige Zeit sind nicht zufällig, und abschließend bescheinigte Löhrmann den Herfordern: »Aus der Lateinschule von einst ist ein modernes Gymnasium geworden.« Auf den anschließenden Festvortrag stimmten zwei Schülerinnen und ein Schüler ein: Sie spielten eine Sonate Friedrich des Großen.

Herforder Kreisblatt vom 28.01.2012