Pressespiegel:

  • Herford, 26. März 2010

Bei der Bildung darf es keinen Stillstand geben

Lebhafte Diskussion mit den Landtagskandidaten

Christian Dahm (SPD), Wolfgang Rußkamp (CDU), Christian Meinhold (Bündnis 90/Die Grünen), Wolfgang Hüffner (Die Linke) und Stephen Paul (FDP, von links) Foto: Annika Tismer
Von Annika Tismer
Herford (HK). Kinderbildungsgesetz (KiBiz) und Offene Ganztagsschule (OGS) - zwei Themen nur, über die die Landtagskandidaten lebhaft diskutiert und auch gestritten haben. Außerdem standen sie den Bürgern Rede und Antwort.

Organisiert worden war die Veranstaltung im Stadtpark-Schützenhof von den Gewerkschaften Verdi und GEW. »KiBiz ist Mumpitz!« Mit dieser Parole haben im Jahr 2008 viele Menschen gegen das neue Kinderbildungsgesetz geprotestiert - und die Kritik hält bis heute an. Von Unterfinanzierungen, befristeten Arbeitsplätzen und Überlastungen der Beschäftigten war auch bei der Diskussion in Herford die Rede.
»Jedes zweite Arbeitsverhältnis ist seit der Einführung des KiBiz negativ beeinflusst worden«, betonte Verdi-Sprecher Hermann Janßen.
Durch die willkürliche Wahl von Buchungszeiten seien außerdem sowohl Erzieher als auch Eltern in ihren Möglichkeiten eingeschränkt. SPD-Landtagskandidat Christian Dahm sah diese Kritikpunkte als veränderungswürdig an. »Das KiBiz ist ein reines Finanzierungsgesetz und es bietet keine Verlässlichkeit. Ich sehe die Buchung von Betreuungszeiten zu Beginn eines Jahres als schwierig an und möchte mich für die Abschaffung befristeter Arbeitsplätze einsetzen«, erklärte er.
Wolfgang Rußkamp, der stellvertretend für die CDU-Landtagskandidatin Angela Thiele gekommen war, forderte vor allem mehr Bildungsmöglichkeiten. »Ich denke, wir müssen die bisherige Richtung beibehalten. Vieles hat sich bereits bewährt und eingespielt. Eltern können ihren Bedarf nun individuell anmelden und wir konnten in Herford die Beiträge senken«, sagte er.
Christian Meinhold, Landtagskandidat vom Bündnis 90/Die Grünen, möchte sich vor allem für eine Freistellung von Elternbeiträgen einsetzen. »Jedes Kind sollte das gleiche Recht auf Bildung haben«, forderte er.
Teils positiv und teils negativ sah FDP-Landtagskandidat Stephen Paul die Entwicklung des KiBiz in den vergangenen Jahren. »Wir konnten die Zahl der Plätze für Kinder unter drei Jahren verfünffachen und immer mehr bildungsfernere Schichten erreichen. Aber das Gesetz muss weiter entwickelt werden, das Betreuungsverhältnis zwischen Erziehern und Kindern ist verbesserungswürdig und es muss im Bereich der Buchungszeiten mehr Flexibilität für Eltern und Erzieher geben«, sagte er.
Wolfgang Hüffner, Landtagskandidat der Linken, stellte hier härtere Forderungen. »Das KiBiz muss weg und es muss einen kostenlosen Zugang zur Bildung für jeden Menschen geben. Eine bessere Bezahlung der Erzieher ist unumgänglich«, erklärte er.
Zweites Thema: der Offene Ganztag. Viele positive Veränderungen, wie längere Lernzeiten, ganzheitliche Förderungen oder vielfältigere soziale Erfahrungen für die Kinder seien nun möglich. Doch auch in der OGS sei der Personalschlüssel nicht zufriedenstellend und die Teilnahme an den Angeboten durch die Kosten nicht für alle Schüler zugänglich.

Herforder Kreisblatt Artikel vom 26.03.2010