Pressespiegel:
Marschieren für eine Straße ohne Angst
Rund 200 Demonstranten beteiligen sich an Protesten für Schließung der Radweg-Lücke / Wut auf Landesbetrieb
"Radweg - jetzt und hier" - dafür demonstrierten am Samstagmorgen rund 200 Menschen in Exter. Fotos: Doris Christoph
Vlotho-Exter (dc). Als die Menschenschlange den Teil des fehlenden Radweges erreicht, geht auf der Detmolder Straße fast nichts mehr. Die Autos stauen sich im Rücken der Demonstranten, der Gegenverkehr kommt auch kaum voran. Für ein paar Minuten haben hier Fußgänger und Radfahrer das Kommando übernommen - nach mehr als 25 Jahren Kämpfens für ihre Rechte.
"Radweg jetzt! Schluss mit der Lücke", hieß das Motto, unter dem knapp 200 Leute am Samstag demonstrierten. Mit Plakaten und Bannern, zu Fuß oder auf dem Rad, als Zwei- oder Vierbeiner und flankiert von Polizeiautos und -motorrad marschierte die Menge vom Buswendeplatz in Exter auf der Detmolder Straße Richtung Hagemühle und Limbergshof. Dort, wo noch immer das knapp 600 Meter lange Radweg-Stück zwischen Bad Salzuflen und Vlotho fehlt, nahmen sie unter Pfeiffen und lauten "Radweg hier - dafür demonstrieren wir"-Rufen die Straße ein. Und zwangen damit die Autofahrer zum Anhalten und zur Rücksicht - ein scheinbar seltener Anblick auf dieser Strecke.
"Wie oft bin ich schon vom Rad gesprungen?", fragt Demonstrantin Helga Stelzer rhetorisch. Es sei sehr gefährlich, hier zu fahren. Die Autos hätten oft mehr als die vorgeschriebenen 70 Stundenkilometer drauf. "Eigentlich müsste hier jeden Tag Polizei stehen", meint sie und erzählt von einem Todesfall, an den sie und viele andere Exteraner sich erinnern und der zum Bau des ersten Abschnitts des Radweges 1984 geführt habe.
Später erzählt Ortsvorsteher August-Wilhelm König von einem Unfall, der sich erst vor 14 Tagen ereignete: Eine Fußgängerin wurde von einem Autospiegel gestreift und verletzt. Aber davon werde kaum gesprochen. "Es muss ja erst Tote geben", so König.
Wut und Enttäuschung kommt auch bei der Kundgebung an der Hagemühle zum Ausdruck. Hier versammeln sich die Demonstranten nach ihrem Marsch. Reinhard Sasse tritt ans Mikrofon. Der Anliegervertreter fasst die Enttäuschung der Exteraner in Worte und berichtet vom langen Kampf um den Lückenschluss zwischen Limbergshof und Glimkestraße. Besonders die Kurvenlage macht das fehlende Radwege-Stück so gefährlich. "Es geht um die Sicherheit unserer Kinder, der Senioren, um uns!" Das erste Mal habe es 1984 die Zusage für den Radwege-Bau gegeben, zuletzt für 2010.
"2003 sagte auch Meyer Ja zum Radweg"
Vor allem Unverständnis für das Verhalten des Landesbetriebs StraßenNRW wird bei Sasses Rede deutlich. Noch im Bürgermeister-Wahlkampf 2003 hätten sich die Kandidaten genau hier, an der Hagemühle, für den Radweg eingesetzt. Darunter war damals auch Andreas Meyer, heute Chef der StraßenNRW-Regionalniederlassung Ostwestfalen-Lippe mit Sitz in Bielefeld. Gerade der Landesbetrieb habe den Baubeginn immer wieder verzögert und nun sei das Geld, das im vergangenen Jahr für den Bau zugesichert worden sei, weg. "Wo ist das Geld aus 2009 geblieben? Wer hat es verplant?", fragt Sasse stellvertretend für die Anlieger. Auch die Stadt Vlotho hat langsam genug. Herbert Obernolte, allgemeiner Stellvertreter des Bürgermeisters, spricht von einem "Schwarze-Peter-Spiel". Er berichtet vom Einsatz der Stadt, und vor allem von Gesprächen mit Grundstückseigentümern. Verzögerungen in der Planung habe allein der Landesbetrieb zu vertreten. Das noch fehlende Minigrundstück gegenüber der Glimkestraße sei lediglich ein vorgeschobener Grund für die Bauverzögerung. Es handele sich dabei nur um ein Stück von 20 Zentimeter Breite und 20 Metern Länge. Und wieder die Frage nach dem Verbleib der Mittel aus 2009.
Bürgermeister Bernd Stute will nun das Gesprächen mit dem Ministerium in Düsseldorf suchen und sich für Mittel einsetzen. Laut König sei dies die einzige Chance, noch in diesem Jahr Mittel zu bekommen. In 2011 sei dies dann wieder die Prioritätensetzung.







