Pressespiegel:
Politiker übernehmen Vermittlerrolle
Eine angekündigte Stellungnahme der Geschäftsleitung wird wegen Krankheit abgesagt
Von Bärbel HillebrennerHerford (HK). Deutliche Worte haben nach eigenen Angaben gestern die beiden SPD-Politiker Stefan Schwartze und Christian Dahm gegenüber der Geschäftsleitung des Betonwerks Westerwelle ausgesprochen. Eine kurzfristige Lösung aber sei dennoch nicht in Sicht.
»Es war ein gutes Gespräch in angenehmer Atmosphäre. Wir haben aber auf die ausweglose Situation bei einer fehlenden Gesprächsbereitschaft hingewiesen«, sagten die Parteivertreter. Die Solidarität für die etwa 20 streikenden Mitarbeiter der Westerwelle GmbH & Co. KG an der Elverdisser Straße - es ist nicht die Firma AGA-Westerwelle an der
Herforder Heide 64 - wird immer größer. Wie berichtet, sind drei Arbeiter, zwei Disponentinnen und der technische Leiter entlassen worden - ohne Angabe von Gründen. Hintergrund scheint die fehlende Bereitschaft der Geschäftsleitung zu sein, die Gründung eines Betriebsrates anzuerkennen und über einen Tariflohn zu verhandeln. Die Mitarbeiter bekommen nach eigenen Angaben zwischen 9 und 11,50 Euro, Tarif sind 14 Euro. Mit den sechs Entlassenen haben sich weitere 14 Kollegen solidarisiert. Seit Freitag ist die Hälfte der 45-köpfigen Belegschaft im Streik.
Gestern haben sie sich erneut vor dem Eingang des Betonwerks eingefunden - mit Klappern und Tröten. Vorbeifahrende Pkw- und Lkw-Fahrer drückten ordentlich auf die Hupe. »Die Unterstützung ist riesig, das motiviert. Aber es nützt ja bislang nichts«, zeigte sich Bodo Matthey, Gewerkschaftssekretär der IG Bau, enttäuscht, aber dennoch kämpferisch. Der Polizei, die erneut von der Geschäftsleitung alarmiert worden war, erklärte er die Situation. »Wir hören nicht auf zu streiken. Das geht so lange, bis die Chefs sich mit uns an einen Tisch setzen.« Die Polizei sei gerufen worden, weil es Beschwerden von Anliegern wegen Ruhestörung gegeben haben soll.
Politiker mehrerer Parteien haben in Stellungnahmen das Verhalten von Manfred und Kai-Uwe Westerwelle verurteilt. Der Vorsitzende des Elverdisser SPD-Ortsvereins, Günter Danielmeier, meinte: »Das Verhalten erinnert an frühkapitalistische Ausbeutermethoden.«
Die SPD-Politiker, Bundestagsabgeordneter Stefan Schwartze und Landtagskandidat Christian Dahm, hatten bereits am Dienstag versucht, mit den beiden Geschäftsführern zu reden. Das hatte nicht geklappt. Gestern aber hatten Dahm und Schwartze die Gelegenheit, mit Kai-Uwe Westerwelle zu sprechen. Eine Stellungnahme von ihm zu den Gründen der Kündigung und der Verweigerung, aufeinander zuzugehen, gab es nicht. »Wir haben Herrn Westerwelle deutlich gesagt, dass die derzeitige Situation in einem Rechtsstaat äußerst bedenklich ist«, sagte Stefan Schwartze. Die Politiker haben die Gesprächsbereitschaft der Mitarbeiter und der Gewerkschaft überbracht. »Ansonsten ist im Unternehmen die Anspannung unter den Mitarbeitern, die nicht streiken, sehr groß. Das spürt man überall«, sagte Christian Dahm. Und Schwartze ergänzte: »Wir haben mit den zehn Leiharbeitern von der Herforder Firma Zeitwert Personal GmbH gesprochen. Sie haben auch Angst, ihren Job wieder zu verlieren.« Für die sechs am Freitag entlassenen Mitarbeiter sind über die Gewerkschaft die Kündigungsschutzklagen beim Arbeitsgericht eingereicht worden. Ziel ist die Wiedereinstellung.
Gestern Mittag sollte es nach Informationen dieser Zeitung eine erste Stellungnahme aus der Geschäftsleitung geben. Zwei Stunden später wurde der Termin jedoch abgesagt mit der Begründung, der Senior-Chef Manfred Westerwelle sei krank geworden.
Herforder Kreisblatt Artikel vom 15.04.2010








