Pressespiegel:

  • Herford, 21. April 2010

Westerwelle-Demo in der Innenstadt

Strafanzeige wegen „Sklavenhändler“-Vorwurf

Demo: Die Westerwelle-Mitarbeiter Olaf Rauch, Nadine Schildmann, Mark Haake, Sven Wiske und Marcel Leuschner (v.l.). FOTO: KIEL-ST.
Herford (hab). Die Mitarbeiter des Betonwerks Westerwelle richten sich auf einen längeren Streik ein. Gestern demonstrierten die etwa 20 Streikenden in der Innenstadt, informierten Passanten und prangerten das Verhalten einer Leiharbeitsfirma an.

Die Firma Zeitwert hatte nach Angaben der Industriegewerkschaft BAU Leiharbeiter für das Unternehmen bereit gestellt, obwohl sie über den Arbeitskampf informiert worden sei. Gewerkschaft und Belegschaft sehen darin einen Verstoß gegen den Tarifvertrag des Bundes deutscher Zeitarbeitsfirmen. Auch gestern waren wieder Leiharbeiter im Unternehmen.

Seit Dienstag ist ein großer Teil der Belegschaft des auf Winkelstützen spezialisierten Unternehmens im Ausstand. Zuvor hatte die Geschäftsführung sechs Mitarbeitern gekündigt, die von den Gewerkschaftsmitarbeitern in eine Tarifkommission gewählt worden waren.

Gestern hat es nach Auskunft von IG Bau-Sekretär Bodo Matthey einen ersten Gesprächskontakt zwischen Geschäftsführung und Gewerkschaft gegeben. „Ich bin hoffnungsvoll, dass Bewegung in die Sache kommt“, sagte Matthey hinterher.

Mit Trillerpfeifen und Spruchbändern zogen die Streikenden von der Kiewiese durch die Stadt zum Alten Markt, dem Rathaus und zum Standort der Leiharbeitsfirma. „Leiharbeit ist Menschenhandel“, „mehr ist fair“ und „Billiglohn macht arbeitslos“, stand auf den Transparenten. „Viele Arbeitnehmer erhalten nur einen Stundenlohn von acht Euro die Stunde – für eine sehr schwere Arbeit“, heißt es auf Flugblättern.

Am Rathaus sprach Bürgermeister Bruno Wollbrink, der dafür eine Sitzung unterbrach, mit den Streikenden. Er bot seine Vermittlung an.

Als Demonstranten den Geschäftsführer der Leiharbeitsfirma vor dessen Büroräumen als „Sklavenhändler“ titulierten, erstattete dieser Strafanzeige gegen den Gewerkschaftssekretär Bodo Matthey.

Unterdessen wird in der Belegschaft eine Eskalation der Auseinandersetzung erwogen. So wird über Blockaden der Fabrik-Einfahrt diskutiert, heißt es.