Pressespiegel:
„Jung kauft alt“ macht Karriere
Regierungspräsidentin und Landtagsabgeordnete lassen sich über Programm informieren

Hiddenhausen. Der Minister ließ sich entschuldigen. Eckhard Uhlenberg nimmt keine Termine mehr wahr. Er hatte sich anhören wollen, wie Hiddenhausen das Programm „Jung kauft alt – Junge Leute kaufen alte Häuser“ entwickelt hat.
Wenn ein Minister sich ansagt, wollen viele Andere dazu kommen, die Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl zum Beispiel, aber auch die Landtagsabgeordneten Christian Dahm (SPD) und Andrea Lück (SPD). Nach der Absage des Ministers wollte die Gemeinde den Termin aber nicht fallenlassen, also kamen die Regierungspräsidentin und die Landtagsabgeordneten allein.
Aus der Gemeinde kamen auch einige: Die Stellvertretenden Bürgermeister Egon Schäffer (SPD), Erwin Steffen (CDU) und Sarah Heitkemper (FDP). Es kamen auch Dirk Hammacher (CDU) und Ulrich Ewering (SPD) und Friedhelm Franke (Grüne) sowie Karsten Otte, der Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz ist.
Alle Hiddenhauser bekräftigten, dass „Jung kauft alt“ eine gute Idee gewesen sei, zur Wende in der Baulandpolitik Geführt und den Flächenverbrauch drastisch reduziert habe. Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer fasste das in Zahlen: Zwischen 1997 und 2006 seien 27,85 Hektar neues Bauland ausgewiesen worden, seit 2007 nur noch 94 Hektar. „Das ist ein Bebauungsplan“, sagte Rolfsmeyer. Fläche in Hiddenhausen sei wertvoll. In der Gemeinde leben 865 Menschen pro Quadratmeter, in Herford sind es 822. Nachhaltigkeit, Stopp des Flächenverbrauchs, Werterhaltung der bestehenden Immobilien, Qualität der Wohnquartiere und Erhalt der Infrastruktur wie Schulen, Kindergärten, Straßen und Ver- und Entsorgungsnetze seien Ziele des Programms gewesen, sagte Rolfsmeyer. Damals lebten in 231 Häusern je nur ein Mensch unter 70 Jahren und in 200 Häusern je nur ein Mensch über 70. Etwa 5.000 Häuser gibt es in Hiddenhausen.
Mit Maklern, Architekten, Stadt- und Landschaftsplanern und Baufinanzierern setzten sich die Verantwortlichen an einen Runden Tisch. Herauskamen die Richtlinien für das Programm „Jung kauft alt“.
Serap und Selim Ay waren die ersten, die die Förderung in Anspruch nahmen. Für die ehemaligen Herforder war das Programm für die Entscheidung, nach Hiddenhausen zu ziehen und hier ein Haus zu erwerben, nicht ausschlaggebend, eher, dass Serap Ay in Herford und Selim Ay in Bünde arbeitet. Ihre Tochter Lale war beim Kauf des Hauses schon auf der Welt.
Damit gehören die Ays zu den inzwischen 110 Familien, die Häuser in Hiddenhausen mit Hilfe des Programms erworben haben. Dass die Gemeinde diese Menschen dringend braucht, zeigen Zahlen, die der Leiter des Amtes für Gemeindeentwicklung, Andreas Homburg vortrug. Inzwischen leben in 250 Häusern eine Person über 70 Jahre, in 337 weiteren zwei Personen über 70 Jahre. „Mehr als zehn Prozent der Häuser in Hiddenhausen werden in den nächsten Jahren leerstehen“, sagt Homburg. Die größte Welle komme noch.
Ob denn die Wirkungen des Programms schon in den Gemeindefinanzen spürbar seien, wollte Regierungspräsidentin Thomas-Stahl wissen. Dafür sei der Zeitraum zu kurz, meinte Kämmerer Andreas Frenzel. Das Programm sei ein völlig neuer Denkansatz, sagte Frenzel. So etwas brauche Zeit. Alle Jahre zusammengerechnet werde Hiddenhausen etwa eine Million Euro ausgeben. Das Programm werde sich aber sicherlich durch einen erhöhten Einkommensteueranteil der Gemeinde wenigstens zum Teil refinanzieren, ergänzte Bürgermeister Rolfsmeyer.
Die Regierungspräsidentin hat sich vorgenommen, das Programm „Jung kauft alt“ im Regionalrat vorzulegen. „Über Gutes muss geredet werden“. Appelle der Kommunalpolitiker, im Land Finanzierungsmöglichkeiten für solche Programme zu suchen, verwies Thomann-Stahl an die Abgeordneten: „Das muss im Landtags diskutiert werden.“ Die Landtagsabgeordneten diskutieren ihren Kommunen Vlotho (Dahm) und Löhne (Lück) über die Einführung des Programmes. Der Bünder Rat hat es mit Abstrichen dieser Tage beschlossen.
Die Förderung
Neue Westfälische vom 25.06.2010







