Pressespiegel:

  • Vlotho, 28. April 2010

»Da geht noch was Neues«

Polizist Christian Dahm möchte als Abgeordneter die Landespolitik verändern

Christian Dahm verbringt seine Freizeit gerne im Garten, hier zusammen mit Ehefrau Christiane sowie den Söhnen Simon und Florian sowie dessen Lebenspartnerin Franziska Heise (von links).
Von Jürgen Gebhard (Text und Foto)
Vlotho (HK). Christian Dahm klingelt an den Haustüren. Über 1000 Mal in den letzten Wochen. Er stellt sich vor, macht ein wenig Smalltalk, überreicht seinen Flyer und bittet darum, zur Wahl zu gehen. Das kommt an.
»Viele Menschen finden es gut, dass ein Landtagskandidat sie direkt anspricht«, hat Christian Dahm an den Haustüren in Herford, Enger, Hiddenhausen und Vlotho erfahren. »Viele sagen, es geht so nicht weiter mit der sozialen Kälte. Viele sagen, wir brauchen eine andere Politik.«

An diesem Politikwechsel möchte der SPD-Mann aus Vlotho-Exter mitwirken. Christian Dahm rechnet sich gute Chancen aus, dafür den Auftrag der Wähler zu bekommen. Der zweifache Vater sagt, dass er die Sorgen der Arbeitnehmer und der Familien in dieser Region sehr gut kenne.
Der 46-Jährige ist in Herford in einem sozialdemokratischen Elternhaus aufgewachsen. Sein Vater war im Stadtrat und im Kreistag, seine Mutter engagierte sich in verschiedenen sozialen Bereichen. Mit dem Realschulabschluss in der Tasche ging Christian Dahm 1979 zur Polizei: »Das war einfach mein Traumberuf.« Die Ausbildung war für den 16-Jährigen hart. Der Job machte ihm riesigen Spaß: »Ich durfte Motorrad fahren und bin im Hubschrauber mitgeflogen und ich durfte den Papst bei seinem Besuch in Kevelaer schützen.«

Im Streifendienst war Christian Dahm bis 1990 im Kreis Herford unterwegs. Er nahm Unfälle auf, lernte soziale Brennpunkte kennen und brachte Autofahrer zur Blutprobe ins Klinikum. Wo er eines Tages Krankenschwester Christiane (51) kennen lernte, seine spätere Ehefrau, mit der er inzwischen zwei erwachsene Söhne hat: Florian (23) lebt bereits mit Lebensgefährtin Franziska Heise in Herford. Nach seiner Ausbildung als Industriekaufmann macht er bei der Exteraner Firma MIT und bei der Hamburger Fernhochschule ein Duales BWL-Studium. Sohn Simon (21) geht zum Anna-Siemsen-Berufskolleg. Nach Realschule und 20-monatigem Wehrdienst möchte er dort sein Abitur machen.

Genau wie seine Söhne, so war auch Christian Dahm schon als junger Mann sehr zielstrebig: Er holte das Fachabitur auf dem zweiten Bildungsweg nach und studierte in der Fachhochschule der öffentlichen Verwaltung. Als Diplom-Verwaltungswirt kam er 1993 zur Autobahnpolizei nach Herford und jagte mit seinem Kollegen Schmuggler und Autoschieber, die auf der »Warschauer Allee« mit unverzollten Zigaretten oder mit gestohlenen Jeeps unterwegs waren.

Vor vier Jahren wurde die Polizei in Nordrhein-Westfalen umstrukturiert (»Eine Luftnummer, die wir der jetzigen Landesregierung zu verdanken haben«) und Christian Dahm kam nach Bielefeld. Als stellvertretender Leiter der Verkehrsunfall-Bearbeitung kümmert er sich um die 13 000 Unfälle, die sich Jahr für Jahr in Bielefeld und auf der A2 ereignen.

Christian Dahm ist 46 Jahre alt. »Da geht jetzt noch etwas Neues«, sagt er mit Blick auf seine Landtagskandidatur. Ein Polit-Neuling ist Christian Dahm allerdings nicht: Schon seit dem Jahr 1999 ist er in Vlotho Ratsmitglied und seit 2002 ist er SPD-Fraktionsvorsitzender. Bei der Kommunalwahl vor einem Jahr wurde er in Exter sogar direkt gewählt. »Das ist zuvor noch keinem SPD-Mitglied in diesem Bezirk gelungen«, freut er sich über das gute Ergebnis.

Das hat sicher auch etwas damit zu tun, dass sich Christian Dahm in seinem Heimatort vielfach engagiert. Als Vater hat er im Kindergarten, in der Grundschule und in diversen Vereinen mitgemacht und hat sogar beim FC Exter Jugendmannschaften betreut. Nur bei den alten Herren hat er schon lange nicht mehr mitgespielt.

Seine knappe Freizeit verbringt der Landtagskandidat am liebsten mit seiner Familie oder bei der Gartenarbeit: »Da kommen mir die besten Ideen.«

Fünf Fragen an...
Christian Dahm

Landtags-Kandidat der SPD

Nicht nur Ihre Heimatstadt Vlotho klagt über immer größere finanzielle Belastungen. Wie kann den Städten und Gemeinden geholfen werden, um wieder mehr Handlungsspielraum zu erlangen?
Christian Dahm: Es dürfen keine weiteren Aufgaben auf die Kommunen übertragen werden, ohne dass dafür Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden. Den Städten muss ausreichend Geld zur Verfügung stehen, um die Aufgaben vor Ort zu erfüllen. Wir brauchen einen Stärkungspakt Stadtfinanzen und auch eine Überprüfung des Solidarpaktes Ost. Finanzielle Unterstützung muss es nach Bedürftigkeit geben und nicht nach dem Kompass.

Ostwestfalen ist sehr weit entfernt von Düsseldorf. Wie wollen Sie es erreichen, dass unsere Region mehr in den Blickpunkt der Landesregierung gerät?
Christian Dahm: Wir brauchen eine starke Interessenvertretung im Landtag für unsere Region. NRW ist nicht am Kamener Kreuz zu Ende. Gerade der ländliche Raum bedarf auch einer besonderen Förderung und Unterstützung. Die Interessenlagen und Strukturprobleme sind hier anders gelagert als im Rhein- und Ruhrgebiet. Ich werde mich für den Wahlkreis Herford, unsere Heimat, einsetzen.

Für welche konkreten Ziele wollen Sie sich als Landtags-abgeordneter stark machen?
Christian Dahm: NRW muss bildungsstärker und familienfreundlicher werden. Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen, sie sollte für alle gebührenfrei sein. Kinder sind schließlich unsere Zukunft. Wir benötigen flexiblere Betreuungszeiten im Kindergarten, eine Verbesserung der Ganztagsbetreuung an den Schulen, die Studiengebühren werden wieder abgeschafft und auch die Schulstruktur muss verändert werden. Wir wollen, dass jedes Kind einen Schulabschluss erhält und eine Ausbildungsgarantie.

Vertritt die SPD tatsächlich noch die Interessen der Arbeitnehmer oder hat Jürgen Rüttgers recht, wenn er sich in der Nachfolge von Johannes Rau als selbst ernannter Arbeiterführer bezeichnet?
Christian Dahm: Die SPD setzt sich weiterhin für einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn ein und auch ich werde mich dafür stark machen, dass das Mitbestimmungsrecht weiterhin uneingeschränkt gelten soll. Das beste Beispiel ist doch hier die Vorgehensweise einer Herforder Betonfirma, die ihre Interessen einseitig ausnutzt. Hier habe ich mich mehrfach als Vermittler angeboten, aber ganz besonders die Solidarität mit den Streikenden bekundet. Von der Partei des selbst ernannten Arbeiterführers oder Vertretern der FDP war bisher niemand vor Ort!

Was würden Sie Ihrer Landesvorsitzenden Hannelore Kraft einmal gerne unter vier Augen sagen?
Christian Dahm: Nach der erfolgreichen Wahl: Das haben wir gut gemacht...

Herforder Kreisblatt Artikel vom 28.04.2010