Pressespiegel:
Auf dem Spatzenberg ist Kibiz ein Thema
Die Landtagsabgeordneten Angela Lück und Christian Dahm besuchen Autisten-Wohnheim - Gespräche mit der Arbeiterwohlfahrt

Die Landtagsabgeordneten Christian Dahm und Angela Lück betrachten Bauwerke eines Spatzenberg-Bewohners. Foto: Sonja Gruhn

Löhne (LZ). Die SPD-Landtagsabgeordneten Angela Lück und Christian Dahm sind im Autistenwohnheim Spatzenberg zu Gast gewesen, um sich über die Einrichtung zu informieren. Vertreter des Trägers, der Arbeiterwohlfahrt, nutzten den Besuch für Gespräche und Diskussionen.
Für Christian Dahm war es der erste Besuch auf dem Spatzenberg. Der Löhnerin Angela Lück hingegen ist die Einrichtung bereits bekannt: »Ich treffe einige der Bewohner auch ab und zu beim Einkaufen.«
Insbesondere Fragen zum U 3-Ausbau, zur Revision des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) sowie zum Fachkräftebedarf erörterten Norbert Wellmann, AWO-Präsidiumsvorsitzender, und Vorstandsvorsitzender Klaus Dannhaus mit den Gästen aus der Politik. Die Landesregierung wolle 2011 eine Milliarde Euro in die Familien und Kinder stecken. »Wenn Banken systemrelevant sind, dann sind Menschen, insbesondere Familien und Kinder, das erst recht«, sagte Christian Dahm.
Von Seiten der Landesregierung gebe es einen klaren Beschluss, dass es eine Revision des Kibiz geben werde, sagte Christian Dahm weiter. »Das Gesetz hat erhebliche Mängel. Wir gehen davon aus, dass es bereits 2011 Verbesserungen gibt.« Angela Lück betonte, dass die Landesregierung Geld investieren wolle, damit Kibiz ein richtiges Bildungsgesetz im Sinne der Kinder werde. Zudem stünde ein zeitnaher Einstieg in die Umsetzung des dritten beitragsfreien Kindergartenjahres bevor, sagte Christian Dahm. »Die staatliche Bildung darf nicht erst in der Schule beginnen, sondern muss schon im Kindergarten anfangen.«
Hinsichtlich der Betreuung der unter Dreijährigen und des Fachkräftebedarfs müssten neue Konzepte, die den Bedürfnissen angepasst sind, erarbeitet werden. »Im Zusammenhang mit dem U 3-Ausbau wird die Nachfrage nach Fachkräften boomen. Die bestehenden Berufskollegs werden das nicht auffangen können«, sagte Angela Lück. Diesbezüglich müsse überlegt werden, wie beispielsweise männliche Mitarbeiter, deren Beschäftigungsquote bei drei bis vier Prozent läge, gewonnen werden könnten oder für Wiedereinsteiger dieser Berufszweig attraktiver gemacht werden könnte. Angela Lück sprach in diesem Zusammenhang von universitären Abschlüssen für Einrichtungsleiter, Jobsharing und Überarbeitung von Arbeitszeiten für Rückkehrer.
Vor dem Gespräch hatte die Leiterin der Einrichtung Spatzenberg, Dr. Christine Dittrich, den Gästen einen Einblick in die Arbeit des Wohnheim-Teams gegeben und deutlich gemacht, wie dramatisch die Nachfrage nach Plätzen in Einrichtungen für Autisten ist. Vor diesem Hintergrund seien die Kürzungen der Mittel in der Vergangenheit ein eklatanter Widerspruch, sagte der AWO-Präsidiumsvorsitzende, Norbert Wellmann.
»Es geht hier um Menschen. Wir haben eine große Verantwortung gerade gegenüber diesen Menschen.« Das Wohnheim wurde vor 15 Jahren ursprünglich auf Initiative von Eltern betroffener Kinder errichtet. Träger wurde die AWO Ostwestfalen-Lippe. Neben dem Wohnheim gibt es inzwischen auch eine Außenwohngruppe sowie die AWO-Heilpädagogische Tagesbetreuung in Kirchlengern. Von den insgesamt 29 erwachsenen Bewohnern sind etwa Dreiviertel Männer. Die Bewohner sind im Schnitt zwischen 30 und 40 Jahre alt und leben in Wohngruppen zu sieben beziehungsweise acht Personen.
Autismus
Autistische Störungen beginnen als veränderte Wahrnehmungsverarbeitungen der Umwelt bereits in den ersten drei Lebensjahren. Trotz intakter Sinnesorgane können die vielen Reize aus der Umwelt von Betroffenen zwar aufgenommen, aber oft nicht richtig miteinander verbunden, eingeordnet und verstanden werden, wodurch schon Geräusche ängstigend wirken können. Außerdem führt die beeinträchtigte frühkindliche Lernfähigkeit sozialer Fähigkeiten oft zu Einschränkungen, beispielsweise zum Entwicklungsrückstand von Sprache, Psychomotorik und Bewegung sowie der sozialen Fähigkeiten in der Alltagsbewältigung. Einige Menschen mit Autismus haben zusätzliche Beeinträchtigungen und Erkrankungen.
Westfalen Blatt Artikel vom 26.08.2010








