Pressespiegel:

  • Herford, 27. April 2011

Ein soziales Zuhause

Christian Dahm und Stefan Schwartze arbeiteten einen Tag bei der Tafel mit

Stellen Warenkörbe zusammen: Der Bundestagsabgeordnete Stefan Schwartze (r.) und der Landtagsabgeordnete Christian Dahm im Gespräch mit einer Kundin. FOTO: RALF BITTNER
VON CORINA LASS
Herford. Den SPD-Abgeordneten Christian Dahm (Düsseldorf) und Stefan Schwartze (Berlin) blieb nichts erspart, aber die Beiden hatten es nicht anders gewollt: Den ganzen Tag über arbeiteten sie gestern in, mit und für die Tafel – und gewannen dabei eine ganze Reihe neuer Eindrücke.

Überrascht, ja überwältigt seien sie, welche – und vor allem in welchen Mengen Lebensmittel – weggegeben werden. Vor allem Backwaren. Dahm und Schwartze sind am Vormittag Beifahrer in den beiden Bullis gewesen, die Essbares, auch Exotisches, aber nicht mehr Verkäufliches aus den Supermärkten abgeholt und sortiert haben. Sieben Kleintransporter voll mit Waren haben sie seit 8 Uhr morgens in den Geschäften abgeholt. Allein das Brot füllt jetzt, kurz vor Öffnung des Verkaufsraumes, eine komplette Regalwand. Die Überproduktion erstaunt. Es sei gut, dass die Lebensmittel noch denen nutzen, die nicht so viel haben, sagt Dahm.

Vielleicht wird das auf Dauer nicht so bleiben. In Berlin habe es schon Engpässe gegeben, sagt die Vorsitzende der Tafel, Barbara Beckmann: Aus altem Brot werden dort Heiz-Pellets gewonnen, die neue Alternative zu Holz. Genug davon wird es immer geben, der Kunde will schließlich Auswahl.

Vor dem Abtransport haben Schwartze und Dahm mit den Fahrern die Lebensmittel aus ihren Verpackungen geschält, damit die Müllgebühren der Tafel gering bleiben. Mancherorts haben sie auch Unbrauchbares vor dem Abtransport aussortiert, erzählen sie. Der Zustand der Lebensmittel an den Abholstellen – ob kistenweise sauber gestapelt oder einfach alles auf einen Haufen geworfen– hat sie nachdenklich gemacht: Er sage einiges über die Personalsituation in den Geschäften, sagt Schwartze.

Beeindruckt sind die Sozialdemokraten davon, wie viele Menschen sich für die Tafel ehrenamtlich einsetzen. Rund 70 sind es an den Standorten in Herford und Spenge. „Das hat die Größe eines mittelständischen Unternehmens“, sagt Dahm.

Auch die große Anzahl derer, die auf das Angebot angewiesen sind, erstaunt die Abgeordneten. Dabei nutzen nur etwa 1.500 von geschätzten 6.000 Berechtigten das Angebot in Herford, ergänzt Beckmann.

Schwartzes Resümee: „Die Arbeit macht Spaß; und ein bisschen körperliche Arbeit sind wir auch gewohnt.“ Zudem sei die Arbeit sinnvoll. Nicht nur im Hinblick auf diejenigen, denen Dahm und Schwartze am Nachmittag die Warenkörbe gefüllt haben, sagt Beckmann. Denn viele seien selbst ohne Arbeit und bedürftig; ihnen gebe die ehrenamtliche Aufgabe eine Tagesstruktur, und sie bringe sie mit anderen Ehrenamtlichen in Kontakt.

Viele der Aussiedler würden dabei ganz nebenbei ihre Deutschkenntnisse verbessern. Hinter der Arbeit hat Dahm etwas entdeckt, dass vielleicht ebenso wichtig ist, wie genug zu essen zu haben: „ein soziales Zuhause.“

© 2011 Neue Westfälische
08 - Herford, Mittwoch 27. April 2011