Pressespiegel:

  • Hiddenhausen, 04. Mai 2011

Mehr Geld für Kinder

Ministerin Ute Schäfer spricht beim Jahresempfang der Jugendhilfe Schweicheln

Ralf Mengedoth und Ministerin Ute Schäfer (vorne). Rainer Kröger, die Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer und Wolfgang Koch, Christian Manz,Bruno Wollbrink und Christian Dahm (hinten). FOTO: FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP
VON THOMAS DOHNA
Schweicheln-Bermbeck. Sie war schon einmal da. Damals war Ute Schäfer noch Landtagsabgeordnete. Beim Jahresempfang der Jugendhilfe Schweicheln sprach sie jetzt als Ministerin und versprach mehr Geld für Kinder.

Schäfer hatte ein dickes Redemanuskript vor sich, mit dem sie die Jugend- und Kinderpolitik der rot-grünen Landesregierung erläutern wollte. Nur teilweise hielt sie sich daran. Offensichtlich war es für sie viel spannender, immer wieder Bezug auf die kurzen Szenen der Wilden Bühne aus Stuttgart zu nehmen. Die Schauspieler sind ehemalige Drogenabhängige. Sie zeigten Szenen zur Gewalt in Familien und zum Mobbing zwischen Jugendlichen. Schäfer griff die Szenen auf, um darzustellen, warum die Investitionen des Landes in Kinderbildung und Jugendhilfe für die Zukunft der Gesellschaft wichtig sind.

Die Landesregierung will das Kinderbildungsgesetz in zwei Schritten reformieren. So soll es mehr Personal in den Gruppen für Kinder unter drei Jahren geben. Für zusätzliche Ergänzungskräfte in diesen Gruppen will das Land 100 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung stellen. Zwei Haken hat die Sache: Die Kommunen müssen mitmachen, weil sie ihren Teil beisteuern müssen. Zum anderen will das Land diesen Betrag aus neuen Schulden leisten. „Wir müssen dafür noch die Richter am Landesverfassungsgericht überzeugen, dass Investitionen in Kinder- und Jugendhilfe so zu werten sind, wie Investitionen in Stahl und Beton“, sagte Schäfer. Für den Ausbau der U-3-Plätze will das Land 400 Millionen Euro zusätzlich ausgeben. „NRW hat die rote Laterne bei der Erfüllung der U-3-Pflicht“, sagte Schäfer.

Die Familienzentren sollen auch mehr Geld bekommen: statt bisher 12.000 Euro im Jahr 13.000 Euro. Liegen sie in sozial schwierigen Gegenden, sollen die Familienzentren 14.000 Euro erhalten.

Der zweite Schritt ist die Einführung des gebührenfreien letzten Kindergartenjahres. „Wir wollen Kinder und Jugendliche gleich behandeln, deren Eltern aber je nach Einkommen steuerlich unterschiedlich“, sagte Schäfer. Wenn man Kindertageseinrichtungen wie Schulen als Bildungseinrichtungen sehe, dann müssten sie auch bei den Gebühren so behandelt werden, sagte Schäfer. Das sei eine Systemfrage. Kinder seien für eine Gesellschaft mindestens so systemrelevant wie Banken.

Die größte Baustelle in der Kinder- und Jugendpolitik sei es, die bildungsfernen Familien zu erreichen, das zeige der Misserfolg beim Kinderbildungspaket der Bundesregierung. „Bildungsferne Familien haben keine Zeitung“, sagte Schäfer. Die müssten einzeln aufgesucht und über das Angebot informiert werden. Besser wäre es aus Sicht Schäfers gewesen, das Geld direkt in die Einrichtungen zu geben.

Mit Blick auf die Wilde Bühne warb Schäfer für eine möglichst frühe Berührung von Kindern mit der kulturellen Bildung. „Kunst erkennt Dinge, die wir Nicht-Künstler noch nicht sehen“, sagte Schäfer.

Der Vorstand des Trägers des Evangelischen Jugendhilfe, Rainer Kröger, stellte fest: „Es ist wieder in, über Kindheit und Jugend zu sprechen“, und meinte mit Blick auf die Jugend: „Es wird nicht alles schlimmer, es wird anders.“

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08 - Herford, Mittwoch 04. Mai 2011