Christian Dahm: „Spitze des Eisbergs“

von Katharina Brand-Parteck

SPD im Landtag NRW prangert Lehrerversorgung im Kreis Herford an

Wie gut sind die Schulen im Kreis Herford mit Lehrkräften ausgestattet? Spätestens seit das Friedrichs-Gymnasium in Herford angekündigt hat, wegen akuten Lehrkräftemangels Unterricht kürzen zu müssen, steht diese Frage verstärkt im öffentlichen Fokus. Dabei zeigt sich: Die personelle Unterversorgung ist im Kreisgebiet kein Einzelfall.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Christian Dahm hatte die Landesregierung im Rahmen einer Kleinen Anfrage um Auskunft zur Lehrkräfteversorgung in Ostwestfalen-Lippe gebeten. Nun liegen die Antworten vor – inklusive einer detaillierten Übersicht über alle Schulen in OWL und im Kreis Herford.

Von insgesamt 69 allgemeinbildenden Schulen im Kreis Herford erreichen lediglich 16 eine Personalausstattungsquote von über 100 Prozent und gelten damit als ausreichend versorgt. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass 53 Schulen weniger Lehrerinnen und Lehrer zur Verfügung haben, als rechnerisch notwendig wären. Der Lehrkräftemangel ist damit für die große Mehrheit der Schulen im Kreis bereits Realität.

„Es kann nicht sein, dass bei uns kaum Stellen ausgeschrieben werden und die Engpässe dann zu Unterrichtsausfall führen“, ärgert sich Christian Dahm. Wenn die große Mehrheit der Schulen im Kreis Herford unterversorgt sei, tröste es wenig, dass die Situation in anderen Landesteilen noch angespannter sei. Zumal dem SPD-Politiker in seiner Tätigkeit immer wieder Fälle bekannt werden, in denen Menschen eine Lehrerstelle in Ostwestfalen-Lippe annehmen wollen, aber aufgrund der mangelnden Ausschreibungen abgewiesen wurden.

Neben den Engpässen bei der Stellenbesetzung berichten zudem viele Lehrkräfte von zunehmend kurzfristigen Vertretungsverträgen oder mehrfach befristeten Beschäftigungen.

„Diese Umstände und die unbesetzten Stellen bewirken bei Lehrkräften Unsicherheiten. Das Ganze steht absolut im Widerspruch zum Fachkräftebedarf in unseren Schulen. Die Lehrerinnen und Lehrer bei uns im Kreis Herford brauchen Perspektiven, bevor womöglich noch mehr - zum Beispiel nach Niedersachsen - abwandern und wir nach Rheinland und Ruhrgebiet auch bei uns ein noch größeres Problem bekommen“, warnt Christian Dahm.

Besonders auffällig: Von den acht Gymnasien im Kreis Herford, habe lediglich eins eine ausreichende Versorgung, wie die Landesregierung Dahm auf Anfrage mitteilte. Sechs der der Gymnasien weisen in dieser Statistik sogar eine Versorgung von unter 90 Prozent aus. An einem Gymnasium fehlten damit sogar mehr als 17 Stellen.

An den sechs Sekundar-/Gesamtschulen im Kreis Herford sehe es nur wenig besser aus. Auch hier sei nur eine Schule ausreichend versorgt. Von acht Realschulen weisen nur zwei eine Quote von über 100 Prozent aus. Ähnlich sehe es bei den Förderschulen aus. Drei von vier Schulen für Kinder mit Behinderung seien unterversorgt. Davon hat eine sogar einen Mangel von mehr als 8 Lehrkräften.

Auch vor den Grundschulen mache die Unterversorgung nicht Halt. Dahm verweist darauf, dass nach Zahlen der Landesregierung hier 31 von 42 Grundschulen im Kreisgebiet eine Unterdeckung aufwiesen. „Für Entwarnung sehe ich also überhaupt keinen Anlass“, sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Landtagsfraktion. Schon heute falle landesweit jede 20. Schulstunde aus, noch mehr würden fachfremd vertreten. Die augenfälligen Probleme mit der Unterrichtsversorgung am Friedrich-Gymnasium seien also nur die Spitze des Eisberges.